← Zurück zur Startseite Ratgeber

Core Web Vitals für Shop-Betreiber: Die drei Werte, die Google bewertet

„Der Shop ist langsam“ ist keine Aussage, mit der Sie etwas anfangen können. Google hat dafür drei Werte — und veröffentlicht, ab wann eine Seite aus Kundensicht „gut“ ist: die Core Web Vitals. Nach diesem Beitrag wissen Sie, was sie bedeuten, wo Ihr Shop steht und was Sie selbst ändern können.

Im Beitrag über Ihre Google-Sichtbarkeit tauchten die drei Werte schon auf — hier geht es nur um sie. Sie brauchen kein Fachwissen und keine Zusatzsoftware, nur Ihren Browser und Ihr Handy. Jeder Punkt folgt dem gewohnten Muster: erst die Prüfung, dann was es kostet, dann was hilft.

1. Drei Werte — und wo Sie sie ablesen

Die Core Web Vitals sind drei Messwerte für das Tempo aus Kundensicht — drei Fragen: Wie schnell sehe ich etwas? Wie schnell reagiert die Seite auf meinen Tipp? Bleibt sie ruhig, während sie aufbaut? Die Schwellen veröffentlicht Google offen in seiner Core-Web-Vitals-Dokumentation (Teil der Search Essentials). Sie können also dieselben Werte messen, die Google auswertet — bevor jemand anderes darüber urteilt.

Dafür gibt es zwei offizielle Stellen. PageSpeed Insights ist die Momentaufnahme: ohne Konto, misst einen frischen Besuch. Die Google Search Console ist die Dauerbeobachtung: Sie meldet die Werte aus dem echten Besucherverkehr, fortlaufend über die letzten 28 Tage, sortiert nach Seitengruppen — etwa alle Produktseiten zusammen.

In 2 Minuten prüfen

Geben Sie Ihre Shop-Adresse bei PageSpeed Insights ein — Handy-Werte, nicht Desktop. Drei farbige Werte erscheinen: LCP, INP, CLS. Grün heißt „gut“, gelb „verbesserungsbedürftig“, rot „schlecht“. Notieren Sie die drei Zahlen mit Datum — das ist Ihre Ausgangslage. Das Urteil aus echtem Verkehr liefert später die Search Console (Bericht „Core Web Vitals“, einmalige Einrichtung).

Was das kostet: Wer seine Werte nicht kennt, verhandelt blind — mit dem Systemhaus, mit einer Agentur, mit sich selbst. „Fühlt sich träge an“ lässt sich nicht prüfen; „LCP rot, INP gelb, CLS grün“ schon — schwarz auf weiß, welcher Wert das Problem ist.

Was hilft: Einmal messen, notieren, drei Monate später wieder messen — so sehen Sie, ob eine beauftragte Arbeit etwas gebracht hat. Ein Hinweis, der Verwirrung spart: Findet PageSpeed Insights keine „Felddaten“, liegt das fast immer an zu wenig Besucherverkehr — kein Warnsignal für Ihre Werte.

2. LCP: Wie schnell sieht der Kunde das Wesentliche?

LCP steht für „Largest Contentful Paint“ — die Zeit, bis der Hauptinhalt sichtbar ist. Das größte Element im ersten Bildschirm ist im Shop fast immer das erste Produktbild oder der Banner; die Stoppuhr läuft, bis dieses vollständig dasteht. Schwelle für „gut“ laut Google: höchstens 2,5 Sekunden.

In 1 Minute prüfen

Schalten Sie am Handy WLAN aus und öffnen Sie Ihren Shop über das Mobilfunknetz. Zählen Sie mit, bis das erste Produktbild oder der Banner vollständig da ist. Der Gegencheck bei PageSpeed Insights zeigt LCP in Sekunden — gelb bedeutet zwischen 2,5 und 4 Sekunden, rot darüber.

Was das kostet: Das erste Bild ist der erste Eindruck. Wer Sekunden auf das Wesentliche wartet, während die Konkurrenz in zweieinhalb da ist, braucht ein sehr gutes Argument, um zu bleiben — und hat in dieser Zeit noch keins gezeigt. Der Wert fließt außerdem in die Bewertung bei Google ein (siehe Punkt 1 im Google-Beitrag).

Was hilft: Die typische Ursache in alten Shops: Das erste Bild wird in voller Größe ausgeliefert und vom Handy zusammengestaucht (wie Sie das erkennen, steht in Punkt 5). Helfen: erstes Bild und Banner in Anzeigegröße, keine Riesenfläche über dem Inhalt.

3. INP: Reagiert die Seite auf den Tipp?

INP steht für „Interaction to Next Paint“ — die Zeit zwischen einem Tipp und der sichtbaren Reaktion: Menü klappt auf, Warenkorbzähler steigt, Seite wechselt. Die Szene kennen Sie vielleicht vom eigenen Handy: Jemand tippt „In den Warenkorb“, nichts rührt sich, er tippt noch einmal — und hat plötzlich zweimal drin. Oder er hält die Seite für kaputt und geht. Sie war nur langsam. Schwelle für „gut“ laut Google: höchstens 200 Millisekunden.

In 2 Minuten prüfen

Am Handy drei Aktionen: Menü aufklappen, Filter setzen, Artikel in den Warenkorb legen. Sagen Sie bei jedem Tipp innerlich „einundzwanzig, zweiundzwanzig“. Kommt die Reaktion erst nach „zweiundzwanzig“, fühlt sie sich träge an — ein Vielfaches über den 200 Millisekunden von Google. PageSpeed Insights zeigt den INP-Wert mit.

Was das kostet: Verzögerung nach dem Tipp wird als Fehler gelesen — erst recht an der Kasse, wo es um Geld geht. Und Seiten mit dauerhaft schlechten INP-Werten im echten Verkehr verlieren daran auch bei Google.

Was hilft: Die üblichen Ursachen: überladene Skripte und eingebundene Dienste aus alten Zeiten — Chat-Widgets, Feedback-Buttons, Zählpixel —, die bei jedem Tipp mitlaufen. Ausmustern, was niemand braucht, wirkt sofort.

4. CLS: Bleibt die Seite liegen, wo sie liegt?

CLS steht für „Cumulative Layout Shift“ — eine Bewertung dafür, wie stark der Aufbau springt. Die Ursache ist fast immer dieselbe: Bildern fehlen die Maße. Der Text ist sofort da, das Bild lädt nach und drückt alles unter sich nach unten. Schwelle für „gut“ laut Google: höchstens 0,1 — keine Zeitangabe, je kleiner, desto ruhiger der Aufbau.

In 30 Sekunden prüfen

Öffnen Sie eine Produktliste am Handy und tippen Sie — absichtlich, während die Seite noch aufbaut — sofort auf eine Schaltfläche. Springt sie unter dem Finger weg, haben Sie den Effekt live: Genau das passiert Ihren Kunden. Der Wert steht bei PageSpeed Insights als CLS.

Was das kostet: Fehltipps durch Springen fühlen sich für den Kunden wie eigene Dummheit an — dabei ist es ein Baufehler. Wer einmal danebengegriffen hat, benutzt die Seite vorsichtiger: scrollt langsamer, liest weniger, kauft seltener. Auch dieser Wert geht in Googles Bewertung ein.

Was hilft: An jedem Bild Breite und Höhe hinterlegen — der Browser reserviert den Platz, bevor das Bild da ist, und nichts schiebt sich mehr. Viele Shop-Backends fragen diese Maße ab: Fleißarbeit, kein Fachwissen. Dazu Newsletter-Pop-ups und Riesen-Cookie-Banner reduzieren.

5. Die drei Tempo-Killer in alten Shops

Hinter roten Werten alter Shops stecken fast immer dieselben drei Ursachen. Erstens: Produktfotos in Kameraauflösung — der Browser lädt die volle Datei und staucht sie zurecht, bei jedem Bild, bei jedem Besuch. Zweitens: fehlende Bildmaße (Punkt 4). Drittens: Fremdskripte aus früheren Jahren, teils von längst abgeschalteten Diensten — ihre Reste laden weiter und denken bei jedem Tipp mit.

In 1 Minute prüfen

Öffnen Sie ein Produktfoto per Gedrückthalten (Handy) oder Rechtsklick → „Bild öffnen“ (Rechner). Steht in den Bildinformationen eine vierstellige Pixelbreite, liefern Sie Kameraauflösung aus — egal wie klein das Bild angezeigt wird. Testen Sie das erste Bild der Startseite und ein Produktfoto: Die beiden zählen am stärksten.

Was das kostet: Jedes dieser drei Dinge kostet bei jedem Besuch Zeit — übers Jahr und alle Produktseiten ein Vielfaches des Aufwands, es abzustellen. Alle drei schlagen mehrfach zu: LCP durch dicke Dateien, CLS durch fehlende Maße, INP durch Altlasten.

Was hilft: Bilder in Anzeigegröße ausliefern und in einem modernen Format wie WebP. Maße an jedem Bild hinterlegen. Skript-Reste ausmustern. Punkte eins und zwei erledigen Sie selbst — wie, steht im nächsten Abschnitt.

6. Was Sie selbst können — und wann Technik ran muss

Nicht alles daran ist Ihr Handwerk — aber mehr, als Sie denken. Bildmaße und Beschreibungen im Backend nachtragen: reine Fleißarbeit. Bilder vor dem Hochladen neu exportieren — jede Fotobearbeitung bietet „für Web speichern“ und staucht die Datei deutlich, ohne dass das Auge einen Unterschied sieht. Und die Messung alle drei Monate wiederholen.

In 30 Sekunden prüfen

Gehen Sie die Prüfliste unten durch und markieren Sie jedes Häkchen als „selbst machbar“ oder „braucht Technik“. Meist bleiben zwei, drei Positionen für einen Nachmittag — angefangen beim ersten Bild der Startseite, weil es am stärksten zählt.

Was das kostet: Die eigenen Arbeiten kosten Zeit, kein Geld — ein, zwei Nachmittage für einen kleinen Katalog. Eingriffe ins System (Fremdskripte entfernen, Formate umstellen) sind bezahlte Arbeit. Verhandeln Sie mit klarem Auftrag: „Diese drei Werte auf grün“ ist prüfbar — „mach mal schneller“ nicht.

Was hilft: Noch eine ehrliche Antwort: Nicht jeder gelbe Wert braucht eine Reparatur. Sind alle drei grün und der Shop verkauft trotzdem nicht, liegt es nicht am Tempo — dann sind es Texte, Fotos, Preise oder Vertrauen (siehe Handy-Beitrag). Tempo ist die Grundlage, nicht das Ergebnis. Aber eine rote Grundlage trägt nichts.

Die Prüfliste zum Mitnehmen

Sind alle drei Werte grün, stimmt die technische Grundlage — dann liegt der Hebel woanders. Stehen zwei oder drei auf rot, ist Tempo ein echtes Handicap: für den Kunden, der wartet, und für die Suche, die es mitzählt. Ein Neubau beseitigt alle drei Ursachen auf einmal; oft reichen einzelne Reparaturen — Bildmaße und Bildexport sind Nachmittagsarbeit.

Dieser Beitrag bezieht sich auf die öffentlich dokumentierten Schwellen und Verfahren von Google (Core Web Vitals, Search Essentials, PageSpeed Insights, Search Console) und zeigt, wie Sie die Werte an Ihrem Shop ablesen. Er ist eine praktische Anleitung, keine Rechtsberatung und keine Begutachtung Ihres Systems.

Unsicher, was Ihr Shop wirklich hat?

Beantworten Sie fünf Fragen und Sie sehen in einer Minute, wie dringend bei Ihnen etwas ansteht. Oder schicken Sie uns einfach die Adresse Ihres Shops — Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung, auch wenn sie lautet: „Da ist nichts zu holen.“